Dienstag, 17. April 2018

Eine Nacht im Faulturm

Wir haben das schöne Wochenende genutzt, um mal wieder in Hohenlohe auszuspannen. Ging auch flott voran, nach Crailsheim dünnten sich die Industrieanlagen aus, der Verkehr wurde weniger. Vor uns dehnten sich die Höhen mit den grauen Bauernhäusern, die Waldinseln und die Bäume mit den unendlich vielen Misteln aus. In Rothenburg ob der Tauber ging es runter ins Taubertal, da grüßten schon die Detwanger Riemenschneiderkirche und das Gasthaus mit dem fröhlichen Eierwirt. Uns stand der Sinn aber nach etwas Anderem, etwas Neuem. Beim Kaffee in einem Creglinger Bistro stellte ich fest, dass das Haus aus dem 14. Jahrhundert stammen musste, daneben stand ein uralter Turm, in dem eine Ferienwohnung zu vermieten war. Warum nicht mal in einem alten Gefängnisturm übernachten? Innen war es so romantisch-dämonisch, dass wir die 48 steilen Treppenstufen zunächst nicht beachteten, die hinauf in die Stube des Türmers führten. Der Turm bietet bis zu 6 Personen Platz, und so konnten wir uns aussuchen, an welcher Stelle der offenen früheren Zellen wir schlafen wollten.
Und so nahm das Abenteuer seinen Lauf. Nach einer schmackhaften Gulaschsuppe erkundeten wir erst einmal das Terrain rechts und links des lieblichen Taubertals.



Wir kamen an Brückenheiligen vorbei, an Madonnenstatuen, frommen Bildstöcken und der mittelalterlichen Ulrichskapelle mit heilkräftiger Ulrichsquelle, die inmitten der aufgeblühten und begrünten Landschaft stand, später untersuchten wir das Ambiente des Turmes. Da waren viele alte merkwürdige Gerätschaften an den Wänden. Wenn man aus einem der schießschartenartigen Fenster hinausblickte, sah man auf der einen Seite die mittelalterliche Stadt, auf der anderen den schäumenden Fluss (die Tauber), die an dieser Stelle über ein Wehr fließt. Das Rauschen tönte wie ein immerwährender Ventilator. Ein Gang zwischenzeitlich durch den Ort: Um zehn hatten die letzten Gaststätten geschlossen, kein Mensch bewegte sich mehr in den dunklen Gassen. Statt der Laternen hätte man auch Fackeln an den Wänden befestigen können. Also wieder hinauf in die Turmstube, 48 steile Stufen hinauf. Da saßen wir nun in aller Stille, kein Fernseher, kein Computer, kein Radio, kein CD-Player, noch nicht einmal Bücher, sondern nur ein paar Prospekte, Kartenspiele und zwei Gästebücher. Die las mein Freund mir vor; da war die Rede von glücklichen Tagen, aber auch von den 48 Stufen zum Klo hinunter und immer wieder hinunter und wieder hinauf, wenn man nur unten etwas vergessen hatte. Wie hatte der Türmer das bloß gemacht, wahrscheinlich hat er einen Eimer benutzt und ihn dann zum Fenster hinausgekippt. Ein Gespenst sollte O-Saft geklaut haben, im wurmstichigen Schrank unten sollten die Beine einer Gräfin herab baumeln. Vor allem Radler waren hier gewesen und Familien mit Kindern. Im Kühlschrank lagerten hiesiges Bier und Taubertalwein. Wir machten es uns also gemütlich, redeten die halbe Nacht über Gott und die Welt und darüber, dass es eine materiell orientierte und eine mehr künstlerisch orientierte Seite darin gibt. Und saßen schließlich kichernd vor dem Schrank mit der Gräfin und kamen uns vor wie in einem Spukschloss. Aller Lärm und alle Widrigkeiten dieser Welt waren von uns abgefallen.

Morgens blinzelte die Sonne herein, wir brachen schnell auf und fuhren weiter in dieses gesegnete Land hinein. Zunächst besuchten wir noch einmal den barocken Park von Schloss Weikersheim. Da stehen lustige, frivole Figuren, eine Art Satyr fraß sogar ein Kind! Mittags machten wir Rast in Blaufelden, einem typisch fränkischen Ort. Die Frauen hatten Picknicktische vor der Wehrkirche aufgebaut, die Männer gönnten sich drei oder vier Schoppen vor einem Gasthaus in der Sonne. Allein drei davon gab es dicht nebeneinander, da wurde fleißig zum Mittagessen eingekehrt. Es ist ein Landstrich, in dem die Menschen freundlich sind und noch aufeinander achten. Sie reden  miteinander, Smartphones habe ich keine gesehen.
In Dinkelsbühl, der "schönsten Stadt Deutschlands", wimmelte es von Touristen und Pferdekutschen, aber hier störten die Massen überhaupt nicht. Über Nördlingen und Neresheim ging es dann zurück zur Autobahn Richtung Stuttgart. Die verließen wir bei Merklingen und den Stuttgart-21-Erdaushüben, um quer über die schwäbische Alb nach Hause zurückzukehren. Nach solchen Touren fühle ich mich immer mehr erholt als früher von einer Flugreise, trotz des Muskelkaters, der sich nach dem Treppensteigen eingestellt hatte.

Die Übernachtung im "Faulturm" und im "Schlosserturm" ist ein echtes Abenteuer und für Urlauber zu empfehlen, die gut zu Fuß sind und günstige Übernachtungsmöglichkeiten im Taubertal suchen.

Sonntag, 1. April 2018

Frohe Ostern!

Hatte ich schon erwähnt, dass dieser Winter der längste und schrecklichste war, den ich jemals erlebt habe? Schrecklich nicht wegen der Tiefsttemperaturen, sondern wegen seiner Launenhaftigkeit. Jeden Tag ein anderes Wetter, drei- bis viermal Frühling und ebenso oft Rückkehr des Winters. Gestern und vorgestern haben wir den Frühling endlich erlebt, heute bläst wieder ein eiskalter Wind, ziehen immer wieder Wolken vor die Sonne, inzwischen tobt ein kalter Regensturm.

Am Karfreitag waren wir auf dem kleinen Heuberg, in einem Gebiet zwischen Schömberg und dem Neckartal. Dort gibt es Dörfer, in denen die Zeit stehengeblieben ist. Damit ist aber auch die Infrastruktur auf der Strecke geblieben - das Gasthaus verfällt, statt dessen gibt es eine alternative Milch- und Vesperwirtschaft. Der ganze Ort ist auf den Beinen Richtung Kirche.
Ammonit mit Lungenkraut beim alten Gasthaus





                                                                                                                                                           
Blaue Anemomen im Neckartal bei Weitingen
In Haigerloch dann endlich mal wieder ein Eis und Cappuccino unter freiem Himmel! Dazu ein Beuch der sehenswerten Ausstellung in der alten Ölmühle. Der surrealistische Maler Karl Hurm aus Weildorf hat dort seine Dauerausstellung. Ausgesprochen originelle und farblich sowie von den Motiven her faszinierende Bilder.

In diesem Sinne allen meinen Lesern schöne Ostertage, egal, was das Wetter für Kapriolen schlägt.

Dienstag, 27. März 2018

Mein kleines, neues Autorenleben

Heute sah ich den gelben Postwagen auf der Straßenseite gegenüber halten. Der Postbote hatte einen großen weißen Umschlag in der Hand. Das wird doch nicht etwa ... dachte ich, und wischte schnell hinaus. Und tatsächlich, es war der Verlagsvertrag! Ullstein Buchverlage stand ganz groß oben drüber. Es ist der erste Vertrag seit dem Jahr 2012, damals für die Köchin, die im Juni 2013 erschien. Zwischendurch gab es noch eine E-Mail-Vereinbarung für ein Bundle. Seitdem hatte ich zwei SP-Bücher herausgegeben, einen Roman ganz neu geschrieben und einen älteren, dessen Rechte ich zurückbekommen hatte, neu verfasst und erweitert. Dieser Vertrag brachte natürlich einen besonderen Glanz in meine Hütte, die in den letzten Wochen und Monaten meist in Regen, Schnee und Nebel gehüllt war.

Schon in den letzten Tagen hatte ich mich auf mein kleines, neues Autorenleben vorbereitet. Erst einmal machte ich drei Regalfächer mit Büchern und verstaute sie in fünf Stofftaschen. In die Säcke kamen Reiseführer mit Orten, an denen wir schon waren und zu denen wir sicher nie mehr hinfahren würden (auch aus Gründen der Verkehrsstaus), dazu Bücher, die ich gelesen hatte und nicht noch einmal lesen würde sowie alte, nicht besonders gute Abhandlungen über Orte, an denen man heute nichts mehr von dem findet, was beschrieben wird und abgebildet ist. Sie kommen alle in die öffentlichen Bücherschränke. Dann hatte ich mir schon lange vorgenommen, mir endlich einen kleineren, bequemeren Schreibtischstuhl zu kaufen. Weiß der Teufel, was mich damals geritten hat, bei Ikea einen Chefsessel zu kaufen, so groß, dass ich meist krumm und schief darin hing wie ein Autorenzwerg. Hier in der Gegend bekommt man so etwas nicht, und so fuhren wir heute nach Balingen ins Rogg&Roll. Mit viel Tamtam bekam ich meinen neuen Schreitischstuhl endlich ausgehändigt. Ging auch leicht aufzubauen, obwohl ich dabei wie immer ins Schwitzen geriet und mir eigentlich geschworen hatte, nie mehr etwas zusammenbauen zu wollen. (Das letzte war ein Badschränkchen vom Dänischen Bettenlager gewesen, bei dem eine Schraube nicht passte). Dank einer Minitaschenlampe fand ich dann schließlich das Loch für die zweite dicke Schraube, und mittels eines Hammers saßen die Rollen fest wie eingemeißelt. Jetzt sitze ich Auge in Auge mit meinem Laptop, und ich habe das Gefühl, als wäre die mehr oder weniger demotivierende Verlags- und Agentursuche der letzten Jahre in sich zusammengeschnurrt wie ein heißer Luftballon.

Freitag, 16. März 2018

Schmeck den Süden

Kloster in Haslach
Heute mal ein Eintrag ganz profan und ohne speziellen Bezug in eigener Sache. Momentan scheinen alle Autoren und Verlagsmenschen auf der Leipziger Buchmesse zu sein. Ich selbst habe die Gelegenheit ergriffen, meine drei Manuskripte nochmal auf Vordermann zu bringen. Denn sie werden zusammen mit den eingedampften Exposés noch vom Lektorat geprüft. Eigentlich ist es sehr entspannend, erstmal nichts Neues schreiben zu müssen. Am Plot für einen weiteren Schwarzwaldkrimi denke ich noch herum, aber es ist nicht eilig. Es ist Zeit, sich mal wieder dem realen Leben zuzuwenden. Der Ausflug nach Haslach im Kinzigtal war irgendwie berauschend. Bei Temperaturen von 15° und Sonnenschein flanierten die Menschen durch die Stadt und durch die weite, frühlingshafte badische Landschaft. Neben der Fachwerkstadt erweist sich das Kloster mit dem Park und der Statue des badischen Dichters und Pfarrers Heinrich Hansjakob als die schönste Meile (der wird auch in meinem Schwarzwaldkrimi erwähnt, denn ein Teil davon spielt im Kinzigtal). An den Straßenrändern zeigten sich die ersten Anemonen.

Gestern kam dann, das ist man schon gewohnt bei dem Extremklima, der Absturz in die graue Kälte. Doch alles Jammern nützt ja nichts. Was tun, fragten wir uns. Die Polarkälte wird möglicherweise noch die ganze nächste Woche andauern. Überall, bis runter nach Venedig und Marseille. Flucht ist unmöglich, auch wenn uns hier eigentlich gar nichts hält.

Um dem vollkommenen winterlichen Einrosten vorzubeugen, schwamm ich zunächst einmal meine Runden im neuen Neckarbad in Horb am Neckar. Dort gibt es einen Italiener, der eine Gaststätte betreibt, und an der Wand hängt das farbenfreudige Bild einer italienischen Hafenstadt. Die Pizza-und Pasta-Düfte regten den Appetit an, der in letzter Zeit fast vollkommen abhanden gekommen ist. Der lebensfrohe Wirt erzählte uns einiges, unter anderem, dass man nach Meran und Südtirol am besten über den Reschenpass fährt. Wir hatten beschlossen, mal wieder eine renommierte Gaststätte im Eyachtal zu besuchen. Sie gehört dem Verband "Schmeck den Süden"an und verspricht wirklich nicht zu viel. Meine anvisierten weißen Bratwürste mit dem traumhaften schwäbischen Kartoffelsalat, grünem Salat und Brot waren leider ausgegangen. Stattdessen bekam ich einen kleinen Braten mit Spätzle, Soße und Gemüse, mein Partner entschied sich für Putenmedaillons mit Rahmsoße, Früchten und Mandelreis. Und aus seinem Salat war der legendäre Kartoffelsalat schnell verschwunden. Am besten war die selbst gemachte Hollandaise, die das Gemüse umgab. Der eingeschlafene Appetit war wieder zum Leben erwacht! Ich hatte schon mal eine Liste mit guten Lokalen in der näheren Umgebung erstellt. Die sollten wir weiter ausprobieren, sammeln und zusammen mit dem gesamten Material an Wanderungen, Fahrten, Geschichten und Historischem irgendwann einmal doch noch irgendwo herausgeben.

Flößerstadt Wolfach

Dienstag, 13. März 2018

Die Elster

Leberblümchen
Als ich vorhin vom Schwimmen zurückkam, saß eine Elster auf der Straße und stolzierte mit wippendem Schwanz zum Randstein hin. Ich lebe mit diesen Vögeln schon seit mehr als siebzehn Jahren in enger Nachbarschaft. Morgens höre ich sie schon in meinem Nussbaum tschackern. Bei Wikipedia und beim NaBu kann man mehr über diese intelligenten Tiere erfahren. Offensichtlich hat die Zersiedelung der Landschaft viele dazu gezwungen, sich in Gärten und Städten niederzulassen und sich von dem zu ernähren, was Komposthaufen und Abfalleimer hergeben. Dazu Spinnen und Würmer, Vogeleier, Kleinvögel und Echsen. Sie klauen keine glänzenden Gegenstände, sondern haben eine sogenannte Objektpermanenz, das heißt, sie merken sich, wo sie etwas versteckt haben und fressen es innerhalb von zehn Tagen auf. Diese Objektpermanenz haben sie nur mit anderen Rabenvögeln, mit Hunden und Affen gemeinsam. Wenn sie sich in einem Spiegel sehen, gucken sie dahinter, weil sie einen Artgenossen vermuten, bekämpfen ihn bisweilen auch. Mein Nussbaum scheint ihnen manchmal als Schlafbaum zu dienen, denn tagsüber zeigen sie sich weniger.

Beim Anblick dieser Elster auf der Straße musste ich an das vergangene Wochenende denken, an dem ich mich verzweifelt damit herumschlug, das Elster-Formular vom Finanzamt herunterzuladen. Ich konnte es einfach nicht fassen: Schon mindestens dreimal habe ich dieses Onlineformular mühelos ausgefüllt, die Vorschau ausgedruckt und alles ans Finanzamt übermittelt. Aber es kam zwei Stunden lang immer nur das Formular von 2016, nicht editierbar. Die Passwörter für ein neues 2017 stimmten angeblich nicht. Irgendwann stand ich mit senkrecht gerauften Haaren inmitten eines Chaos und wusste nicht mehr aus noch ein. Schließlich konnte ich doch keinen Steuerberater engagieren, nur um das elende Ding herunterzuladen. Dann ging es plötzlich doch, wie von selbst. Vielleicht hatte die kluge neckische Elster ein Einsehen gehabt. Bauchschmerzen machten nur noch die Stellen, die ich nicht auf Anhieb ausfüllen konnte. Da wird die betreffende Stelle rot, und nichts geht mehr. Gestern Abend hatte ich dann das letzte fehlende Aktenzeichen gefunden, und ab ging die Elsterpost. Heute den Brief mit dem gedruckten Formular in den Briefkasten gesteckt, und fertig war die Chose.  Als nächstes kommen dann die Exposés zum Verlag.

Morgen gibt es einen Halbfrühlingstag, bevor der Winter erneut zurückkehrt. Den werden wir in Haslach im Kinzigtal verbringen. Wenn man es doch machen könnte wie die Veilchen: Eins blühte heute unverdrossen im Eiswind am Fuße des Schlossbergs. Gestern besuchten wir einen Garten im Neckartal wie in jedem Frühjahr. Hinter einem Drahtzaun blüht es da immer ganz früh ganz blau. Neben Schneeglöckchen Krokusse und die Anemone blanda (Scilla haben wir letztes Wochenende unter einer Magnolie der Neckartenzlinger St. Jakobs-Kirche gesehen, einem prächtigen romanischen Bau aus dem Mittelalter). Der botanische Garten in Tübingen war noch sehr winterlich, bis auf ein paar Märzenbecher, Alpenveilchen und Leberblümchen - an geschützter Stelle unter Buchen. Gestern im Neckartal nun wartete schon der alte Besitzer an der Straße auf uns, als hätte er gewusst, dass wir vorbeikommen. "Der Winter war lang und schrecklich dieses Jahr" sagte er.

Samstag, 10. März 2018

Neuer Verlag, neues Glück

Im Schloss Gochsheim/Kraichtal
Am vergangenen Dienstag habe ich den Verlagsvertrag zur Rückzeichnung in den Postkasten geworfen, kurz bevor ich mich unter das Skalpell des Zahnarztes begab. Im Bewusstsein, dass wieder Bewegung in das Schreiben gekommen ist, ließ sich das alles besser ertragen. Gestern fand ich einen Artikel über den Ullstein Verlag, bei dem mir klar wurde, wie der neue Leiter Gunnar Cynybulk im letzten Herbst zu diesem Verlag gekommen ist, in welche Richtung er sich entwickeln könnte und warum ich mich dort gut aufgehoben fühlen kann.

Als nächsten Schritt habe ich mir meine drei Exposés vorgenommen, die in den letzten Jahren keine Heimat fanden. Und fast scheint es mir, dass es an ihnen gelegen hat, warum keine Agentur anbeißen wollte. Ich las mir noch einmal die Exposékritik einer Agentin durch. Und da fiel mal wieder ein kleiner Groschen. Die Exposés waren überladen mit Handlung, Personen und Konflikten. Die habe ich jetzt eingedampft, den zentralen Konflikt und die zentralen Personen stehen lassen und alles, was nicht zum Verständnis beiträgt, gestrichen. Im nächsten Schritt kommt dann das Lektorat, parallell dazu ein Cover, das mir vorgelegt werden soll.

Mittwoch, 28. Februar 2018

Mein Schwarzwaldkrimi ist gelandet!

Der düstere Schwarzwald vor zwei Wochen
Es ist tatsächlich wahr geworden: Mein Schwarzwaldkrimi "Martinsmorde" wurde von einem Verlag angenommen, und zwar von Midnight/Ullstein! Der Vertrag, den ich schon im Voraus geprüft habe, wird mir demnächst zugestellt. Voraussichtlich wird das E-Book im Sommer 2018 erscheinen, das Printbuch soll im Herbst folgen. Parallel zum Lektorat wird ein Cover erstellt, das mir vorgelegt wird, weil die Autoren in die Entwicklung einbezogen werden sollen. Heute kam eine weitere Mail der Lektorin, in der sie mir anbietet, auch andere Exposés und Texte zur Prüfung zu schicken. Ich hatte nach Fertigstellung des Romans schon mehr Ideen im Kopf, drei bis fünf Folgen. Weil ein Verlag und ein paar Agenturen letztendlich kein Interesse an dem MS zeigten, hatte ich das nicht weiter verfolgt. Es gibt aber eine Idee, die ich nur noch in aller Ruhe ausführen und in Exposéform bringen müsste. Demnächst bekomme ich von meinem Sohn ein schönes Notizbuch, in das ich alles hineinschreiben kann, was mir durch den Kopf geht.

Jetzt habe ich erstmal aufgeräumt, die ganzen Papiere von der Familienforschung verstaut und die gesamte Ablage ausgemistet. Die letzte Woche war unterirdisch kalt, auf der Zugspitze herrschten gestern Nacht -30°, eine nie gemessene Temperatur um diese Jahreszeit! Beim Rausgehen pfeift mir ein so eiskalter Wind um die Nase, dass ich fast alle Aktivitäten im Freien eingestellt habe. Ich freue mich auf wärmere Temperaturen, und ich freue mich auf die schreiberischen Aktivitäten, die vor mir liegen. (Das Foto habe ich übrigens nicht weit von meiner Wohnung entfernt aufgenommen).

Montag, 19. Februar 2018

Tore und Türen

Traum vom Süden -hier: Madeira
Der Gotthard gilt als das Tor zum Süden. Ich habe es noch erlebt, dass wir bei Regen ankamen, das Auto auf die Bahn verladen wurde, dann ging es kilometerlang durch den Tunnel. Auf der anderen Seite schien die Sonne, blühte der Oleander, die Dächer der Häuser glänzten. Viele Menschen haben diesen Traum vom Süden im Kopf, und nicht Goethe war der erste, den es dorthin und zu den kulturellen Schätzen Italiens zog. Selbst die Urvölker machten sich auf den Weg nach Süden, wenn das Klima sich verschlechterte und die Nahrung knapp wurde.

Vor ein paar Tagen habe ich einen Film über ein Rentnerehepaar gesehen, das sich ein Haus in Spanien, bei Malaga, gekauft hatte und dorthin übersiedelte. Eigentlich war es eine Schnulze, die ich sonst nicht angeschaut hätte, aber Gila von Weitershausen hat so entzückend gespielt, dass es eine Freude war. Dieses Paar nun erhoffte sich die Erfüllung aller Träume ihres Lebens - einmal Granada sehen, und alles ist im Lot! Natürlich geht dann alles schief. Der Umzugswagen bleibt liegen, es gibt kein Wasser, und die deutschen Nachbarn schleppen die beiden zu einem touristischen Flamenco-Event. Ein Durcheinander ohnegleichen entsteht, Eifersüchteleien, die Partner entfremden sich voneinander und von sich selbst. Die Frau erkennt, dass sie sich ein Leben lang für andere abgerackert hat. Am Ende kehren sie nach Deutschland zurück und leben ein selbst bestimmtes Leben in zwei getrennten Wohnungen-in Augenweite.

Tore und Türen können sich also in jede Richtung öffnen, hinaus- und hereinlassen. Nachdem ich vor etwa einer Woche eine Absage wegen Überfüllung eines Verlages mit Büchern bekommen hatte, kam am Freitag eine Mail von einem anderen Verlag, der sich für meinen Schwarzwaldkrimi interessiert. Das war sehr motivierend, und seitdem glaube ich wieder daran, dass sich Tore und Türe öffnen können, auch wenn man lange Zeit glaubte, sie hätten sich alle geschlossen.

Mittwoch, 14. Februar 2018

Erntezeit und neues Leben

In grauer Vorzeit, ich habe es heute noch in den Ohren, sang die Kölner Gruppe BAB"Am Äschermittwoch is alles vorbei." Jetzt ist der Tag wieder gekommen, und die Blumenläden machen gute Geschäfte, weil auf diesen Mittwoch gleichzeitig der Valentinstag fällt. Und es ist mal wieder Zeit für eine Zwischenbilanz. Inzwischen zieht sich geradezu eine Elefantenspur von mir durchs Internet. Die dürfte aber, im Vergleich mit den Spuren anderer, eine Schmalspur sein. Die Bücher, die ich veröffentlicht habe, sind nicht verschwunden, im Gegenteil, sie breiten sich immer weiter aus. In unzähligen Shops weltweit werden sie angeboten (selbst bei Barnes&Noble in New York), täglich tauchen sie in neuen Bibliotheken auf und werden auch gelesen - leider auch von Lesern, die sich bei Umsonst-Plattformen bedienen. Ich habe alle Ideen, die ich in den letzten siebzehn, achtzehn Jahren hatte, verwirklicht. Jetzt ist irgendwie das Ende der Fahnenstange erreicht. Es kommen keine Antworten mehr, weder von Verlagen noch von Agenturen. Dafür haben sich im Virtuellen viele wertvolle Kontakte entwickelt, die genauso real sind wie die in der Wirklichkeit. Doch gab es nicht auch einmal ein Leben vor der Virtualität?

Naja, ganz draußen war ich glücklicherweise nie. Parallel zu der Parallelwelt bin ich weit herumgekommen, wie einige meiner Blogleser noch wissen werden. Das ist wiederum in das Schreiben und in die Blogbeiträge eingeflossen. Es war schon immer eine andere Welt gewesen als die der "Normalbürger", nämlich die der Literatur, der Kultur und der Natur. Ich muss nicht fasten, muss nicht auf Süßigkeiten oder das Internet verzichten, muss kein neues Leben beginnen. Statt dessen sollte ich beides besser miteinander in Einklang bringen. Durch den Hamburger Kontakt erfahre ich mehr über meine Familiengeschichte als jemals zuvor. Das ist sozusagen die Folge der Elefantenspur, die sich hinter mir herzieht. Neben dem Bücherangebot in der Welt und den Lesern wachsen auch die Besucherzahlen im Blog kontinuierlich, je nach Input.

Sonntag, 4. Februar 2018

Herrschaftliche Zeiten

Es gibt Momente, in denen ich es außerordentlich begrüße, dass es das Internet gibt. Man kann Schulfreunde wiederfinden oder etwas über seine Ahnen erfahren. So ging es mir vor etwa einer Woche, als ich mit einer sehr liebenswerten und engagierten Frau telefonisch ins Gespräch kam (der Kontakt war über den Blog zustande gekommen). Sie und ihr Mann hatten vor langen Jahren von meinem Vater eine Villa in Reinbek (bei Hamburg) gekauft und sie sorgsam renoviert. Bis es so weit war, spielten sich allerdings noch jahrelange krimireife Handlungen mit dem Vormieter ab. Durch diesen Kontakt erfuhr ich nicht nur, dass wir in dasselbe Gymnasium in Flensburg gegangen sind, teilweise dieselben Lehrer hatten und in denselben Cafés und Kneipen in dieser Stadt saßen, sondern auch, dass mein Großvater Paul Lotz zusammen mit seinem Bruder noch ein weiteres Haus in Wentorf bei Reinbek besessen hatte. Jenes Haus nun wird von einer Frau bewohnt, die ein umfangreiches, bebildertes Buch über die herrschaftlichen Villen in Wentorf geschrieben hat. Das kam gestern bei mir an, und ich habe mich gleich auf die Suche nach der Wentorfer Villa gemacht und sie entdeckt. Mein Großonkel Eduard Lotz ist 1936, als der Boden zu heiß und zu braun wurde, nach Amerika ausgewandert, mein Großvater ließ sich in Bussum in Holland nieder. Er war immer ein kritischer Geist gewesen, las alle möglichen ausländischen Zeitungen und hinterließ uns eine umfangreiche Bibliothek. Darunter waren nicht nur schöne alte Gesamtausgaben von Shakespare und Goethe, sondern auch sämtliche Klassiker und das Werk meines Schriftstellervorfahren Georg Lotz (1784-1844), der Sir Walter Scott übersetzte, im Hamburger Salon mit Heinrich Heine verkehrte und historische Romane und Novellen schrieb, die in Venedig, in England und in Polen spielten. Bei Google Books habe ich eine Stelle gefunden, die belegt, wie sich die Hamburger Schriftsteller damals gefetzt und ihre Ergüsse um die Ohren gehauen haben.

Paul Lotz ermöglichte meinem Vater vor dem Krieg einen längeren Aufenthalt in der Hermann-Lietz-Schule Abbotsholme in England, die für ihre liberale Gesinnung und ihre ganzheitliche Erziehung bekannt war. Deshalb habe ich meinen Vater auch als einen lustigen, intelligenten, etwas kauzigen, aber durch und durch mutigen und tatkräftigen Menschen in Erinnerung. Sein Halbbruder Juan H. Kaae wanderte 1934 nach Argentinien aus, wo er als Verwalter einer Estancia tätig war. Sein Platz auf der Cap Arcona ist sogar noch auf der Passagierliste zu finden. Im Jahr 1969 besuchte ich ihn, meine Tante und meine Cousine dort. Auf einer Reise in den Norden musste ich feststellen, dass es im Urwald von Misiones urdeutsche Dörfer gab und dass noch viel von den nationalsozialistischen Emigranten zu spüren war. Auch heute noch wird das Oktoberfest deutscher als bei den Deutschen in Villa General Belgrano in Cordoba gefeiert. Der Hang zur Schriftstellerei mag sich über die Generationen auf mich übertragen haben.

Das Haus in Reinbek





Donnerstag, 25. Januar 2018

Eine Frage des Alters?

Figur am Portal des Heilig-Kreuz-Münsters in Schwäbisch Gmünd
Ändert man im Lauf des Lebens seine grundsätzlichen Einstellungen? Entwickelt man, wenn man älter wird, einen Blickwinkel, den man zwangsläufig mit anderen teilt? Diese Frage stellte sich mir heute nach einer (teilweise) schönen Tour ins Remstal (Lorch, Schwäbisch Gmünd). Warum sie nur teilweise schön war, erschließt sich aus dem Folgenden. Danach kehrten wir im Luginsland in Stuttgart ein, wo wir fast immer absteigen, wenn wir in der Gegend sind. Es ist die Kinderheimat meines Lebensgefährten, der in der Nachkriegszeit in den Weinbergen herumstreifte, zur Schule ging und in den Räumen der Zeitung Tarzan-Comics verschlang. Das erste Mal war ich an einem Ostermontag 1999 in der Gegend gewesen. Wir waren einen Weg durch blühende Obstbäume ins Weindorf Uhlbach hinunter gestiegen und hatten in einem Kastaniengarten schwäbischen Rostbraten zu uns genommen, in Gesellschaft eines älteren Ehepaars, sie mit einem bezaubernden, duftigen Hut. Dieses Gasthaus Luginsland ist eine Oase im Getriebe der Stadt. Mein Partner hat hier schon als kleiner Junge Zigaretten für den Vater holen müssen, und das grundsätzliche Aussehen und die Philosophie haben sich niemals verändert. Man isst gut bürgerlich, und abends sitzen die Leute gemütlich am Stammtisch zusammen. Nach dem sehr guten Kalbsschnitzel in Rahmsoße mit Pilzen, natürlich mit Spätzle, stellte uns der Ober (eine absolute, zurückhaltend-humorvolle Koryphäe!) eine Frau vor, die in derselben Straße wohnte wie mein Partner damals als Kind. Tatsächlich stellte sich heraus, dass ein Klassenkamerad von ihm samt Frau und Sohn noch dort wohnt (nach über sechzig Jahren!) Die Frau musste sehr lachen über die Erzählungen meines Lebensgefährten. Und stimmte zu, dass der Stadtteil Luginsland nach Fellbach hin dermaßen grausig überbaut worden ist, das niemand, der damals hier gelebt hat, es wiedererkennen würde. Das hatten wir auch auf dem Weg ins Remstal gesehen. Es gibt nur noch Inseln von Feldern und Äckern zwischen den langgestreckten Industriegebieten, und hinter Schwäbisch Gmünd herrschte der Verkehrsinfarkt. Sind wir nur empfindlicher geworden mit der Zeit, würde es uns nichts ausmachen, wenn wir jünger wären? Ich glaube es nicht. Ich weiß noch, wie ich mit meinen Freundinnen im Alter von etwa elf Jahren durch die Wälder und Schluchten von Wassersleben bei Flensburg streifte, fern unter uns die blaue Flensburger Förde. Bei der Vorstellung, dass eine Schnellstraße vorbei an unserem Backsteinhaus mit dem großen Garten vorbeiführen sollte, damit die Leute schneller zum Einkaufen nach Dänemark kamen, litten wir tausend Tode. Denn in dem Garten gab es Igel und in der Ecke mit den Buchen Krause Glucken, und nachts stiegen die Rehe über den Zaun und fraßen meinem Vater die Rosenkohlköpfe weg. Im Wald dahinter gab es einen Findling oder Menhir, es gab verschlungene Wege durch dichte hohe Ilexbüsche und Blätterkuhlen, in denen man Winterschlaf halten und im Frühling wieder aufwachen konnte. Im Lauf der Jahre beobachtete ich in allen Städten, in denen ich lebte, wie immer mehr Natur und Gärten in Autoparkplätze, Industriegebiete und Kaufhäuser umgewandelt wurden. Im internationalen Kindergarten, in dem ich arbeitete, hatten wir zwei Bücher, die hießen: "Hier fällt ein Haus, dort steht ein Kran, und ewig droht de Baggerzahn" und "Alle Jahre wieder saust der Presslufthammer nieder". In Folge von Gartenschauen (wie 2012 in Nagold) schießen neue Wohngebäude in die Höhe, immer unter dem sozialen Deckmantel des bezahlbaren Wohnens. (Was sich meist schnell verflüchtigt). Die Menschen mauern sich ihre Grundlagen zu, sie versiegeln ihre Ressourcen, wundern sich über die Unwetterkatastrophen und fallen massenhaft in den Naturpark Nordschwarzwald ein, um sich von den Folgen dieses Missbrauchs zu erholen. Und das ist etwas, das wir wohl schon als Kinder erkannt haben, als wir ein Gespür für unsere Umwelt entwickelten. Heutige Kids können das vielleicht gar nicht mehr, weil sie nichts anderes kennen als Glas und Beton. Neulich habe ich sogar gedacht: Ob der Wolf, über den ja gerade so viel diskutiert wird, in einer solchen Umwelt überhaupt leben möchte? Hier ganz in der Nähe wurden ja auch schon Risse gefunden, es wurde einer totgefahren und einer erschossen. Nicht der Wolf ist eine Gefahr für den Menschen, sondern der Mensch eine Gefahr für den Wolf.

Sonntag, 14. Januar 2018

Hinterm Horizont gehts weiter



Beurener Heide (schwäbische Alb) 2013
In diesen trüben Tagen, die nicht nur gefühlt schon endlos dauern, gehen mir immer wieder zwei alte Songtexte im Kopf herum: "Here Comes the sun" von den Beatles (Abbey road) und "Hinterm Horizont geht's weiter" von Udo Lindenberg. Eigentlich ganz naive Texte, die nicht für sich alleine stehen könnten, aber unvergesslich interpretiert wurden. Beide handeln vom Dunkel in uns und um uns, das unweigerlich vom Gegenteil abgelöst wird - so ist das Gesetz der Natur. Dank seiner Mobilität kann der Mensch dem für kurze Zeit entfliehen, indem er per Jet in wärmere Länder entflieht oder, wie wir gestern, eine kurze Auszeit lang in die Sonne fährt. In Offenburg schien sie mehrere Stunden, und wir haben die Stadt ganz neu entdeckt. Viele französische Wortfetzen waren zu hören, viel badische Lebenslust war in den Straßen, den Cafés zu spüren. Sogar die Autofahrer schienen uns humorvoller und souveräner als bei uns im superschaffigen (und manchmal auch muffigem) Schwaben. Und natürlich haben wir uns wieder vorgenommen, spätestens im Februar dem Frühling entgegenzufahren. So, wie es Goethe mit seinen Ländern meinte, in denen die Zitronen blühn. Irgendwie hatte ich immer gedacht, früher hätten die Schriftsteller an der Côte d’Azur überwintert. Das stimmt aber gar nicht. In Nizza waren russische Literaten wie Gogol und Tschechow zu Gast, bedingt durch den Aufenthalt des Zaren. Thomas Mann und weitere 500 Deutsche hielten sich zwischen 1933 und 1942 teilweise in Sanary-sur-Mer, in Bandol und Le Lavandou auf. Aber nicht, weil letztere so viel Geld hatten und die Sonne genießen wollten, sondern weil sie auf der Flucht vor den Nazis waren. Im nicht so fernen Süden lässt es sich weniger gut überwintern. Im Tessin fror sich Hermann Hesse einen Ast ab und floh nach Bern, um wenigstens etwas Wärme, Gesellschaft und Kultur zu haben, Nietzsche drehte seine philosophischen Runden in Sils Maria, und Heinrich Böll lebte zeitweise in Irland, wo er sicher einen Anflug von Freiheit fand.

Nichtsdestoweniger sollen Stare, die in den Süden fliegen, weniger oft sterben als ihre Artgenossen, die im alten, dunklen Nordwinter bleiben. Was also bleibt einer Autorin übrig, die sich einfach nur nach der Sonne sehnt und auch kein größeres Projekt an der Hand hat, mit dem sie in andere Gefilde abheben könnte? Nach achtzehn Jahren des intensiven Schreibens, nach einer Zeit des Überarbeitens der letzten zu veröffentlichenden Texte ist sie zunächst einmal frei, die Welt steht ihr offen. Persönlich hat sie Wertschätzung durch die Verlage erfahren, man hat sie nie rausgeschmissen, man hat sich um ihre Werke gekümmert. Was die finanzielle Seite angeht, hat sie wie meisten Autoren eine solche Wertschätzung nicht erhalten, und auch andere Künstler und Kreative nicht. Doch das ist eine andere Geschichte, die an anderer Stelle schon diskutiert wurde. Ich versuche die Kollegen zu unterstützen, indem ich die Bücher derer kaufe, die ich schätze. Ich halte meine Augen auf. Die größte Wertschätzung aber erfahre ich von einem Verlag, der mir nach achtzehn Jahren immer noch einen Weihnachtsgruß schickt und von der Leiterin des Verlages, die Interesse an meinen vier letzten Büchern gezeigt hat. (Leider ist sie Ende des Jahres dort ausgeschieden). Sie schrieb, sie freue sich darüber, dass ich bei der Unterbringung meiner Werke auch in ihren Verlag gedacht hätte.

Ach so, ja, was bleibt einer solchen Autorin übrig? Sie wird fahren und die Sonne putzen.

Dienstag, 2. Januar 2018

Lichtblicke

Alte Zollstraße in Wassersleben
Wenn wir früher an Weihnachten in Flensburg waren, genauer gesagt in Wassersleben an der Flensburger Förde, wurde es meist gar nicht richtig hell. Umso stärker sind mir die Kerzen des Weihnachtsbaums in Erinnerung, untermalt vom Duft nach Räucheraal und frisch gepulten Nordseekrabben. Die Straße im Bild, die Alte Zollstraße meiner Kindheit und Jugend, führt nach wenigen hundert Metern ins dänische Grenzland, wo wir die roten Hotdog-Würste, Sild, Makrelensalat und Kaminstreichhölzer kauften. Abseits vom Großen Rummel sind mir diese Licht-Blicke auch weiterhin wichtig geblieben. Diesmal waren es in der Zeit drei Ereignisse, die mir vom Jahresende in Erinnerung bleiben werden: Das alljährliche Fackelfeuer in Altensteig, das wir schon häufig direkt aus der Nähe erlebt haben. Superspannend immer der Moment, in dem das Feuer entzündet wird und ein heftiger Schwall heißer Luft herüberschießt. Wir standen diesmal zusammen mit anderen auf dem oberen und unteren Marktplatz und konnten beide Feuer vor der historischen Kulisse sehen, dazu die tausend Lichtpünktchen der Fackelträger, die hin und her wogten.

Der zweite Lichtpunkt war der Besuch unseres Lieblingslokals in Reutlingen, Alexandre. Für uns ist es immer ein Genuss, dort zu sitzen, ob drinnen oder draußen, die Leute zu beobachten und mit den stets dienstbereiten und freundlichen Kellnern zu plaudern. Über das Essen können wir wenig sagen, aber ein oder zweimal war es gut. Wir bestellen meist zu zweit einen Pfannkuchen mit Apfelmus, Schokoladensoße und Vanilleeis. Die Bedienung war diesmal eine junge Frau, die in Villingen das Hotelfach studiert. Mir wurde klar, wo der Unterschied zwischen einer solchen Kraft und ungelernten Bedienungen liegt. Die haben wir leider bei einem Chinesen erleben müssen, der im Lauf des Jahres immer schlechter wird und sich trotzdem ungemeiner Beliebtheit erfreut. Das falsche Essen, das mir serviert wurde, riss die unfreundliche Kellnerin mir aus der Hand, um mir kurz darauf das richtige zu bringen, nur war die Ente dann ungemein knorfelig und kostete auch noch fünf Euro extra.

Und nun zu Nummer drei, einem Besuch in Esslingen am gestrigen Neujahrstag. Die Stadt war voller Lichter, Menschen bummelten friedlich umher. Es hatten nur wenige Cafés geöffnet, aber bei Segafredo ging es sehr familiär zu. Höhepunkt war ein Besuch der Stadtkirche St. Dionys. Rechts und links des Altars standen leuchtende Christbäume, die romanischen Säulen, der gotische Chor und das Gestühl sind einzigartig. Zwei junge Männer fragten uns, ob sie auch in den Chorraum hinter dem Altar gehen dürften, sie seien orthodox. Die Einladung, sich alles anzuschauen, nahmen sie mit Staunen entgegen. So ist dieses Jahr 2017 voller Licht zu Ende gegangen. Die paar Raketen im Städtle machten den Kohl dann auch nicht mehr fett. Wichtiger war für mich die Überarbeitung des Schwarzwaldkrimis, in dem von Raunächten und einem verschwundenen Pfarrer die Rede ist. Und für mich bedeutet das Ganze vor allem, dass es jetzt jeden Tag ein paar Minuten später dunkel wird. Allen meinen Lesern und Leserinnen wünsche ich viele solcher Licht-Blicke im Jahr 2018, das gerade erst begonnen hat.